Was haben politische Meinungen und die Begeisterung für einen Fußballverein gemeinsam? Beide müssen oftmals kritische Analysen überstehen und werden nicht selten gnadenlos diffamiert. Die Fans des FC Bayern gehen meist nicht gerade zimperlich mit den Anhängern von Borussia Dortmund ins Gericht. Dasselbe spielt sich auch zwischen gegnerischen Fans anderer Vereine ab. Worauf ich damit anspielen will? Ganz einfach. Auch auf dem politischen Spielfeld wird heftig gerungen wenn gegensätzliche Orientierungen aufeinandertreffen. Der Drogerie-Filialist Rossmann ist kürzlich aus dem Familienunternehmer-Verband ausgetreten weil dieser sich für Gespräche mit der AfD öffnen will. Ebenso der Haushaltsgerätehersteller Vorwerk. Wer hatte recht, es gab Diskussionen und heftige Kritik. Das Internet wimmelte von Boykottaufrufen gegen die betreffenden Unternehmen. Man kann sich denken, dass es diesen großen Firmen wahrscheinlich herzlich egal ist wenn sie Kunden verlieren, sie gewinnen mit ziemlicher Sicherheit wieder neue dazu. Dass gegensätzliche Ansichten geradezu dazu einladen sich leidenschaftlich darum zu streiten ist bekannt. Doch mir geht es hier nicht ausschließlich um Standpunkte, sondern mir geht es um die nähere Beleuchtung von politischen Haltungen.
Politische Äußerungen im Netz ziehen mitunter harsche Kritik nach sich. Ich musste dies genauso erfahren wie viele andere vor und nach mir. Es gibt mittlerweile kein Soziales Netzwerk mehr indem nicht um Meinungen und die Freiheit sie zu äußern gestritten wird. Dass es dabei nicht immer höflich zugeht, ist bekannt. Vor allem wenn man wie ich konservativ ist, bekommt man allerhand zu hören. Teils wird einem sogar Rechtsradikalismus unterstellt. Dabei ist es durchaus ein Unterschied ob jemand konservativ oder rechts ist. Auch wenn die Grenzen hier oft ein wenig verschwimmen. Aber selbst vor Todesdrohungen schreckt die Gegenseite nicht zurück. Da wird so getan als wären politisch Konservative die reinsten Schreckgespenster. Diese Boykottaufrufe gegen Firmen und Institutionen die sich gegen die AfD positionieren sind natürlich auch ein Teil der freien Meinungsäußerung. Ob sie wirklich den erhofften Effekt haben, sei mal dahingestellt. Aber ich muss sagen, ich finde es dennoch seltsam wenn ich einen Laden betrete oder ein Produkt einer Firma kaufe von der ich weiß, dass sie mich unter Umständen nicht als Kunden haben möchte. Und wer sagt denn, dass diese Firmen sich nicht auch gegen andere konservative Parteien wenden. Wie stehen Rossmann und Vorwerk beispielsweise zur CDU/CSU? Auch hier finden wir viele konservative Wähler. Eine interessante Frage also.
Radikale politische Gruppen versuchen mit Gewalt anderen ihre Meinung aufzudrücken. Vor allem extreme Linke fallen häufig durch Brutalität auf. Sie rotten sich zusammen und liefern sich Auseinandersetzungen mit der Polizei, greifen Andersdenkende an. Was mich doch sehr erschreckt, ist die Toleranz in großen Teilen der Bevölkerung gegenüber diesen Gruppen. Müssten die Menschen sich nicht entschieden gegen diese Gewalt aussprechen? Müssten sie nicht deutlich sagen, dass es so nicht geht? Stattdessen liebäugeln sie mitunter recht offen mit dieser Form des politischen Aktivismus. Man kann hier gar nicht mehr von Aktivisten sprechen, es sind schon vielmehr Terroristen. Wie soll man diese brutale und radikale Haltung denn sonst benennen. Selbstverständlich gibt es auch rechte Gruppen die vor Gewalt nicht zurückschrecken. Dazu kann ich nur sagen, ich verurteile beides und spreche mich dafür aus, sachlich und vernünftig zu agieren. Gewalt ist keine Lösung für ein Problem, meist führt sie nur dazu, dass sich die Spirale immer weiter hochdreht und alle Beteiligten verlieren die Suche nach der Lösung aus den Augen. Ich lese seit ein paar Jahren sehr gerne ein kleinformatiges Lifestylemagazin, das sich mittlerweile auch klar linksgrün positioniert hat. Mich persönlich stört das nicht unbedingt, obwohl man mich trotzdem nie bei diesen Richtungen verorten wird. Das Heft wirbt für einen offenen, toleranten und umweltbewussten Lebensstil. Ich finde das nicht grundsätzlich falsch, jedoch stört mich auch hier dieser erhobene Zeigefinger und diese Attitüde des "Bessermenschen." Haltungsjournalismus hat für mich einen seltsamen Beigeschmack. Dass ich dieses Magazin dennoch lese hat damit zu tun, dass ich die Gestaltung der Beiträge und den Informationsgehalt schätze.
Welche Partei jemand wählt, welche Ansichten er vertritt ist eigentlich Privatsache. Ebenso wie Religion Privatsache ist, solange jemand in diesem Zusammenhang nicht durch gewalttätige Aktionen auffällt. Wenn Unternehmen anfangen Menschen auszusortieren, dann halte ich dies für kontraproduktiv ( mal ganz abgesehen von den Assoziationen zu diktatorischen Systemen, die unwillkürlich geweckt werden ), führt dies nur dazu das potentielle Kunden abgeschreckt werden. Aber die ohnehin schon große Kluft in der Gesellschaft wird dadurch nur noch weiter vergrößert. Ich erlebe selbst oft genug, wie Menschen mich ausgrenzen weil ich nicht hundertprozentig offen bin für die Dinge die man im linksgrünen Lager für unabdingbar hält. Ich bin nicht generell gegen Einwanderung, aber ich plädiere für mehr Kontrolle seitens der Politik, für mehr Ordnung und Sicherheit. Ich begrüße die Inklusion von Menschen mit Behinderung, und für mich ist es völlig in Ordnung wenn homosexuelle Paare heiraten. Mein Cousin hat vor zwei Jahren seinen Lebensgefährten geheiratet. "Jeder soll nach seiner Fasson selig werden." Dieses Zitat von Friedrich dem Großen sollte unser Denken ein wenig beeinflussen, denn genauso sollte es auch sein. Leider gilt dies nicht für die Radikalen unter uns. Für diese Leute gibt es kein freies Denken, es gibt für sie nur die von ihnen selbst vorgegebene Meinung. Und an die hat sich gefälligst jeder zu halten wenn er nicht ins Fadenkreuz geraten will.
Ich war schon immer ein Selbstdenker. Ich lasse jedem seine eigene Meinung, aber ich muss sie nicht teilen. Aber ich bin auch konservativ, und das macht mich für viele wieder zum Ziel ihrer Angriffe. Ich teile nicht uneingeschränkt ihre Meinung, habe hin und wieder Einwände und bin kontrovers. Etwas womit diese Menschen nicht gut umgehen können, aber wir kritischen Geister müssen auch damit umgehen, wenn man uns Frechheiten und Diffamierungen an den Kopf wirft, wir als N*zis und Rechtsradikale betitelt werden. Als Konservativer hat man es dieser Tage nicht leicht, aber wenn man für Vielfalt eintritt, dann muss man auch verschiedene Ansichten zulassen, sonst wird die ganze Geschichte zu einem Einheitsbrei, der am Ende doch zu einer faden Suppe verkommt.




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