Ich habe neulich mal einen kleinen Spaziergang durch unseren Ort gemacht und dabei begegnete mir eine Gruppe Schulkinder. Sie waren sichtlich gut drauf, denn sie lachten und giggelten miteinander, dabei hielten sie ihre Smartphones in den Händen. Doch was da über die Bildschirme flimmerte hatte offensichtlich einen - aus meiner Sicht - beunruhigenden Effekt auf die Schüler. Sie gingen vor mir her und die Nervosität dieser Kinder war in jeder Hinsicht auffallend. Mir fiel es sogar selbst schwer ruhig zu bleiben beim Anblick der hin und her zappelnden und in schrillen Tönen quietschenden Kids. Mir war klar, dass sicherlich ein großer Teil dieser auffälligen Nervosität auf die Inhalte der Smartphones zurückzuführen war, denn die Kids hingen wie gebannt an ihren Geräten, wandten kaum den Blick davon ab. Kommentierten alles was sie dort sahen mit diesem seltsam erregten Verhalten.
Dass zu intensiver Internetkonsum für Kinder und Jugendliche schädlich sein kann ist nicht neu. Kein Wunder, dass die Politik nun an einem Social-Media-Verbot für unter 16-jährige bastelt. Die Verhaltensauffälligkeiten unter Kindern und Jugendlichen haben ein beunruhigendes Niveau erreicht. Laut DAK-Studien zeigt rund ein Viertel der 10- bis 17-jährigen in Deutschland bereits ein Suchtverhalten bei der Nutzung sozialer Medien. Durchschnittlich 150 Minuten täglich, am Wochenende auch mehr verbringen junge Menschen an PC oder Smartphone. 4,7 % davon gelten bereits als süchtig. Die Symptome sind Entzugserscheinungen, soziale Isolation und Vernachlässigung von Pflichten.
Unter diesen Gesichtspunkten kann man durchaus sagen, dass die Nutzung der sozialen Medien für junge Menschen nicht ohne Risiko ist. Ich bin selbst eifriger Social-Media-Nutzer und bekomme stets so einiges mit was dort passiert. Vor allem auf Tiktok spielen sich mitunter Dinge ab, die ich als Erwachsene schon als sehr grenzwertig empfinde. Dort betreiben junge Mädchen Accounts - teils sind sie deutlich unter 14 Jahren - auf denen sie sich in offenherzigen Kleidern als "Model" präsentieren. Inspiriert von erwachsenen Kreatorinnen wollen sie endlich auch einmal "ernst genommen" werden. Doch welche Zuschauer ihre Videos wirklich anziehen, wissen sie nicht. Es sind größtenteils Männer mit eindeutig pädophilen Absichten, die unter den Beiträgen ihre verstörenden Gunstbezeugungen posten. Ich möchte nicht wissen, wie viele dieser Männer versuchen, mit diesen Mädchen Kontakt aufzunehmen um sie zu missbrauchen, und schlimmstenfalls sogar zu ermorden. Hieran sieht man nur allzu deutlich, wie gefährlich die sozialen Medien für Kinder und Jugendliche wirklich sein können. Wenn man diese Inhalte erst einmal gesehen hat, dann versteht man warum die Sorge um unsere Kinder wächst.
Vor allem diese "gewissen" Herren die es auf sehr junge Mädchen und Kinder abgesehen haben, treiben ihr Unwesen in den sozialen Medien. Und es geht nicht nur um die widerlichen Kommentare die unter den Beiträgen hinterlassen werden, sondern es geht um die eigentliche Gefahr für die Jugendlichen. Nämlich, dass diese Pädo-Kriminellen realen Kontakt mit den Kindern aufnehmen, sie unter Umständen zu sich locken, missbrauchen und schließlich ermorden. Darin sehe ich eine nicht zu unterschätzende Bedrohung für das Leben der Kinder und Jugendlichen. Sie sind in einem Alter in dem sie Gefahren noch überhaupt nicht real einschätzen können. Hier sind die Eltern gefragt und der Gesetzgeber, hier muss entschieden mehr getan werden um jugendliche Internetnutzer vor diesen Gefahren zu schützen. Dass Kinder ihre wertvolle Freizeit mit sinnlosem Gedaddel am Handy vermüllen ist schon schlimm genug, aber die Gefahr für Leib und Leben ist nicht wegzudiskutieren. Von daher ist ein Social-Media-Verbot für unter 16-jährige durchaus sinnvoll. Doch ob es sich so durchsetzen lässt wie die Politik das vorhat, wage ich zu bezweifeln.
Leider sind viele Eltern ihren Kindern ein schlechtes Vorbild am Smartphone. Denn auch sie verbringen oft Stunden vor dem Handy-Bildschirm. Völlig klar, dass die Kids sich ein Beispiel nehmen. Aber Eltern können ein Vorbild für eine verantwortungsbewusste Internetnutzung sein. Regeln und Verbote erzeugen bei Jugendlichen eher Widerstand. Ratsamer ist es also offen aber ruhig mit den Kindern über das Problem zu sprechen. Gibt man Kindern das Gefühl, dass man sie nicht bevormunden will, sind sie viel eher zur Akzeptanz von Regeln bereit. Forscher raten aber auch dazu, das Alltagsverhalten von Kindern nicht unnötig zu pathologisieren. Es sei vollkommen normal und in Ordnung wenn Kinder sich phasenweise sehr exzessiv mit Dingen beschäftigen. Unkontrollierte Nutzung des Internets habe auch mit dem sich noch entwickelnden Gehirn von Kindern und Jugendlichen zu tun, so Christian Montag, Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm. Bereits im Grundschulalter besitzen viele Kinder ein Smartphone und haben Social-Media-Accounts. Man kann sich vorstellen, dass in es in diesem Alter mit der Selbstkontrolle noch nicht weit her sein kann.
Smartphones werden in vielen Familien einfach als Beschäftigungsmittel für die Kinder angesehen. Die Kids haben einen Zeitvertreib und die Eltern haben ihre Ruhe. Folglich machen sie sich kaum Gedanken darüber welche Gefahren im Netz auf Kinder lauern. Psychische Auffälligkeiten unter Kindern und Jugendlichen haben sehr oft ihren Ursprung in exzessivem Handykonsum. Ängste, Selbstzweifel durch ständigen Vergleich, Depressionen, und Schlafstörungen sind die Folge. Cybermobbing, Cybergrooming und der Kontakt mit gefährlichen Inhalten wie Pornos, Gewaltvideos etc. tun ein Übriges um die Seelen der Kinder empfindlich zu verletzen. Stark retuschierte Inhalte sind besonders häufig auf Tiktok und Instagram zu sehen. Sie können eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers bewirken, führen zu vermindertem Selbstwertgefühl, und Essstörungen bis zum Selbsthass. Auch diese irrsinnigen "Challenges" auf Tiktok stellen eine große Gefahr für Kinder dar. Tragische Todesfälle durch solche kranken Trends gab es bereits zur Genüge. Cybermobbing kann mental schwächere Jugendliche in den Selbstmord treiben.
Als Schutzmaßnahmen sollten Eltern die Medienkompetenz ihrer Kinder fördern, indem sie sie altersgerecht aufklären, den Einstieg der Kinder ins Internet begleiten und klare Regeln benennen. Profile auf Privat stellen und persönliche Daten schützen. Keine privaten Informationen an Fremde weitergeben und Altersbeschränkungen beachten, sowie die Nutzungszeiten begrenzen. Eltern sollten aber auch ihr eigenes Nutzerverhalten reflektieren und ihren Kindern ein positives Vorbild sein. Denn neben all den Nachteilen hat das Internet auch große Vorteile, auch für junge Menschen. Es kommt auf den richtigen Umgang mit den sozialen Medien an, den Kinder ( und gelegentlich sogar Erwachsene ) erst lernen müssen.
In diesem Sinne, eine erfolgreiche neue Woche Euch allen,
Eure Marion Herzogin von Meranien ♛


































