Sonntag, 14. September 2025

Schmuddelecken und Scheißegal-Attitüde - vom Untergang der Bundestitanic

Als ich kürzlich einen Gang durch unseren Ort gemacht habe, fielen mir einige Dinge auf, die man sonst meist übersieht. Es sind Dinge die dem aufmerksamen Betrachter viel über den gegenwärtigen Zustand unseres Landes verraten. Deutschland war immer bekannt für Sauberkeit, Pünktlichkeit und Präzision. Niemand konnte sich vorstellen, dass dies jemals anders sein könnte. Deutsche Wertarbeit war in der ganzen Welt berühmt, bewundert und geschätzt. Man bekam Produkte von außergewöhnlicher Qualität und sorgfältiger Verarbeitung. Möglicherweise führte auch dieser Umstand ( unter anderem ) dazu, dass die deutsche Automobilindustrie nun keine führende Rolle mehr spielt. Aber was ich in diesem Post deutlich machen will, ist der schleichende Niedergang unseres Landes, den man überall sehen kann wenn man im öffentlichen Raum ist. Während meines Rundgangs durch mein Heimatdorf und dann durch die Innenstadt wurde mir bewusst, dass sich die gesamte Infrastruktur verschlechtert hat. Die Sauberkeit lässt vielerorts sehr zu wünschen übrig, denn wo man hinschaut liegt Müll und Unrat, den scheinbar niemand jemals wegzuräumen gedenkt. Eventuell vorhandene Mülleimer quellen über, der Inhalt verteilt sich bei jedem Windstoß über die gesamte Umgebung. 


Auch viele Gebäude zeigen zunehmend unterschiedliche Stadien der Verwahrlosung. Schmuddelige Fassaden von denen der Putz bröckelt, abblätternde Farbe und unschöne Graffitischmiereien verunstalten ganze Häuserzeilen. Gut gemachte Graffitis können durchaus eine Zier sein, zusammenhangloses Gekritzel dagegen nicht. Dass Innenstädte nicht mehr die attraktiven und einladenden Orte sind die sie einmal waren, ist zum Teil dem zunehmenden Onlinehandel geschuldet, zum Teil aber auch einer Städtepolitik die keinen Wert mehr darauf legt die Innenstädte so zu gestalten, dass sie Menschen anziehen. Orte des täglichen Lebens und soziale Treffpunkte müssen auch eine gewisse Anziehungskraft besitzen wenn sich dort Menschen gerne und oft aufhalten sollen. Dies ist aber in vielen Städten nicht mehr der Fall, mit dem Ergebnis fortschreitendem Verfalls. In der Innenstadt von Wetzlar ( meiner Heimatstadt ) wird es mehr als deutlich, dass die Stadtregierung kein Interesse mehr daran hat, die City in Schuss zu halten. Subventionsgelder versickern in dunklen Kanälen oder werden für Projekte verschwendet die völlig unnötig sind. 

Was mir ebenfalls auffällt ist das überall wild wuchernde Unkraut. So mancher Straßenzug lässt mich an die berühmt-berüchtigten Endzeitplakate denken, auf denen von einem apokalyptischen Szenario  schwer getroffene Städte und Landschaften dargestellt sind. Natürlich könnte man anführen, dies sei doch ein Refugium für Insekten, aber andererseits könnte man doch an besser geeigneten Stellen dafür sorgen, dass Insekten ihren Lebensraum finden. Ich erinnere mich an meine Kindheit und weiß noch genau wie sauber und gepflegt die Straßenränder waren. Das Unkraut wurde entfernt, der damals noch spärliche Müll gleich mit eingesammelt. Apropos Straßen: Die haben ihre besten Zeiten ebenfalls schon lange hinter sich. 


Gehe ich bei uns in der Stadt in Richtung Bahnhof muss ich aufpassen, dass ich nicht über plötzlich auftauchende "Hubbel" in der Asphaltdecke stolpere. An diesem Stellen hat sich an heißen Sommertagen die Asphaltierung aufgebläht und mehr oder weniger gut sichtbare Höcker gebildet. Einige davon wurden mit Farbe markiert um die Zahl der Passanten die unglücklicherweise darüber stolpern gering zu halten. Dennoch sind sie vor allem für ältere Menschen und Sehbehinderte ein Risiko. Bahn und Stadt ist das egal, sie kümmern sich nicht darum. Es ist ihnen schlicht zu teuer und zu aufwendig. Und so belässt man alles wie es ist und hofft, dass niemand zu Schaden kommt.

Bestellt ihr gerne eure Sachen Online? Dann wisst ihr vielleicht wie unpünktlich und unzuverlässig die Postzustellung geworden ist. Montags braucht man auf Pakete oder Briefe gar nicht mehr zu hoffen. Und auch an allen anderen Tagen wird die Post ihrem Ruf als geruhsam dahinkriechende Schnecke mehr als gerecht. Witzige Paketbenachrichtigungen wie unten zu sehen mögen zwar leicht übertrieben sein, aber den einen oder anderen Punkt haben viele von uns wirklich schon erlebt. Nicht nur bei den privaten Botendiensten ist der Service mies geworden, nein auch beim Paketriesen DHL muss man mit unliebsamen Überraschungen rechnen. Dabei sind mangelnde Sprachkenntnisse seitens der Zusteller noch das kleinste Übel. Sehr viel schlimmer ist der liederliche und respektlose Umgang der Boten mit der bestellten Ware, und auch mit den Kunden. Was bei all diesen Problemen auffällt: Keiner tut etwas dagegen. Niemand fühlt sich zuständig, die Situation zu ändern. Die Politik und die jeweiligen Unternehmen geben sich mit solchen Kleinigkeiten nicht ab. Damit hat der Kunde gefälligst selbst zurechtzukommen. Schaut euch mal die Bewertungen für diverse Botendienste an, die Verzweiflung und der Ärger der Paketkunden ist offensichtlich. 


Überhaupt sieht es an vielen Stellen in Deutschland aus wie bei Hempels unterm Bett. Ich muss hier nochmal den Wetzlarer Bahnhof als Beispiel anführen, denn man sieht hier sehr deutlich, dass sowohl bei der Stadtführung wie auch bei der Bahn eindeutig das Stadium der völligen Gleichgültigkeit eingetreten ist. Das Bahnhofsgebäude an sich ist rein optisch schon gruselig genug ( ach ja, der moderne Bauhausstil ), aber schaut man genauer hin, dann sieht man die Zerstörungen die von  betrunkenen, oder vielleicht auch einfach frustrierten Vandalen hinterlassen wurden. Das ist aber nicht alles, denn die Toiletten am Bahnhof sind seit Jahren mehr oder weniger dauerhaft außer Betrieb. Der schlechte Witz an der Sache ist, dass die einzigen die sich an diesem Umstand wirklich zu stören scheinen, die Bahnreisenden sind. Weder die Stadtregierung noch die Führung der Bahn zeigen irgendein Interesse daran den Bahnhof und sein Umfeld endlich wieder in einen vorzeigbaren Zustand zu versetzen. Eingeschlagene Scheiben, kaputte Türen, kaputte Toiletten und wieder überall Müll. Mir scheint als hätten die Verantwortlichen kurzerhand aufgegeben, weil sie der immer wiederkehrenden Zerstörungen nicht mehr Herr werden. 


Der ehemals florierende Wirtschaftsstandort Deutschland ist ein weiteres Sorgenkind und ein unfehlbarer Indikator für den Niedergang unseres Landes. Die Deindustrialisierung Deutschlands schreitet unaufhaltsam voran, tausende Arbeitsplätze gehen verloren, und Deutschlands guter Ruf als Wirtschaftsmacht zerbröselt wie uralte Knochen. Das Gesundheitssystem ist nicht minder marode und es wird weiterhin mit Hochdruck daran gearbeitet, dass sich Hausarzt- und Krankenhaussterben weiter verschlimmern. Schon jetzt wird einem Himmelangst wenn man einen Termin beim Facharzt braucht. Denn dann steht einem eine unter Umständen wochen- oder gar monatelange Wartezeit bevor. Ist man Privatpatient kann es etwas schneller gehen, das versteht sich von selbst, doch es ist eben nicht jeder Privatversichert. Von Gerechtigkeit und Gleichbehandlung aller kann also nicht mehr die Rede sein. Vielleicht ist gerade dies so gewollt. Ein Zweiklassensystem das den "einfachen Bürger" ausschließt. Das zeigt uns mal wieder, dass das ganze Gerede von Gerechtigkeit unter den Menschen nicht viel mehr als schönes Geschwafel ohne soliden Hintergrund ist. 


Bei all diesen düsteren Aussichten fällt mir das Gedicht "Nachtgedanken" von Heinrich Heine ein, das da lautet:

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen.
Und meine heißen Tränen fließen. 

Und man denkt an das Land das so viele Dichter und Denker hervorgebracht hat, einst eine starke und prosperierende Wirtschaft sein eigen nannte, und so lebenswert und friedlich war. Und wenn man heute nicht erst zehn Jahre alt ist, dann weiß man wovon ich rede. Quo Vadis, Deutschland? So könnte man fragen, wenn man mit offenen Augen durch die Straßen geht und viele ganz banale Alltagsbegebenheiten näher betrachtet. Dann werden einem viele Unstimmigkeiten auffallen, die vor zehn oder fünfzehn Jahren noch nicht da waren. Deutschland ähnelt inzwischen eher einem schwer bettlägerigen Patienten der mit Pflastern beklebt am Tropf hängt als einem muskelbepackten Arbeitstier das die Ärmel hochkrempelt. Soweit hat es die verkorkste Politik der vergangenen Jahre gebracht. Vielleicht ist dies alles genau so geplant und gewollt, wer weiß. Aber ob sich Deutschland jemals wieder erholen wird bleibt fraglich, zumal auch der wirtschaftliche Zeitgeist kein harmloses Nachtgespenst ist, sondern ein boshafter Dämon der auf Zerstörung aus ist. 

Ich kann gut verstehen, dass sich viele Menschen zurückziehen und das öffentliche Leben meiden so gut es geht. Auch wenn man jetzt anführen möchte, dass dies der falsche Weg ist, aber was kann unsereins denn tun gegen diese Entwicklung? Nicht sehr viel, denn längst ist der Bürger auf der Straße zu einer machtlosen Puppe geworden, die von den Verantwortlichen nach Lust und Laune hin und hergeworfen wird. Und trotzdem dürfen wir nicht aufgeben unserer Stimme Gewicht zu verleihen wann immer es geht. 

In diesem Sinne, eine schöne und gesegnete neue Woche euch allen,

Eure Marion Herzogin von Meranien ♛






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